Beinlängendifferenz: Symptome, Ursachen, Folgen & Behandlung

Im Interview mit Osteopath Christoph Arp 

Da wir bei GetSteps auch maßgefertigte Einlagen mit einer einseitigen Fersenerhöhung produzieren, wollen wir euch gerne mehr Informationen über das Thema Beinlängendifferenz bieten und haben mit dem Experten Christoph Arp gesprochen. 

Christoph ist selbstständiger Physiotherapeut und Osteopath und ist mit seiner Praxis Naturapath in Viernheim ansässig. 

Danke Christoph für deine Zeit! Wie merkt man denn als Laie, dass man unter einer Beinlängendifferenz leidet? 

Es kommt sehr darauf an wie stark die Beinlängendifferenz ausgeprägt ist. Leichte Abweichungen (0.3-0.7cm) sind rein optisch sehr schwer festzustellen. Bei einer starke Differenz (>1,5 cm) erkennt man es von außen oft an einem „schiefen“ Stand im Spiegel, an unterschiedlich lang erscheinenden Hosenbeinen oder auch an dem Gefühl „nicht rund und gleichmäßig zu Gehen“.

Menschen mit einem guten Körpergefühl, sehr feinfühlige Menschen oder auch Sportler nehmen oft schon kleinere Differenzen wahr, da sie viel sensitiver für das Ungleichgewicht zwischen ihren beiden Seiten sind.

Welche Symptome/ Schmerzen können dafür sprechen?

Im Allgemeinen sollte man bei Schmerzen hellhörig werden, denn die Statik hat einen Einfluss auf unseren gesamten Körper! Somit kann sich die Beinlägendifferenz z.B. als Fersenschmerz, Knieschmerzen aber auch Rücken-, Nacken oder Kieferschmerzen äußern. Wenn also keine unmittelbare Verletzung vorausgegangen ist und die Schmerzen nicht erklärbar sind, so macht es immer Sinn, auch mal die Beinlägendifferenz als Ursache mit in Betracht zu ziehen!

Die Beschwerden äußern sich zu Beginn oft nach Belastung, werden über Nacht oder nach längeren Ruhrphasen jedoch besser, da hier die belasteten Strukturen zur Ruhe kommen können.

In der Regel sind die Schmerzen erstmal muskulären Charakters, also ein „ziehend“, „krampfend“ oder wie ein „Muskelkatergefühl“. Dies verändert sich meist mit der Zeit und wir dann auch zu einem eher „stechenden“ oder „brennenden“ Schmerz.

Kann man Beinlängendifferenz selbst messen?

Als ersten „Schnell-Check“ kann man sich gerade auf den Rücken legen. Dann kommt man mit dem Oberkörper gerade nach oben in den Langsitzt und vergleicht die Lage beider Innenknöchel miteinander. Diese sollten auf gleicher Höhe liegen. Hier ist es hilfreich einen Partner zur Hilfe zu nehmen, der dies für einen kontrolliert. Allerdings ist das nur eine erste Idee! Bei bestehenden Beschwerden gehört die komplexe Untersuchung in die Hände eines Spezialisten!

Was sind die häufigsten Ursachen dafür?

Hierzu ist es wichtig zu wissen, dass es eine sogenannte „Anatomische“ und eine „Funktionelle“ Beinlängendifferenz gibt. Diese lassen sich ganz leicht erklären:

  • Die anatomische Beinlängendifferenz wird auch als „echte Beinlängendifferenz “ bezeichnet. Diese kommt durch unterschiedlich lange Ober- und Unterschenkelknochen zustande.
    (Dies kann z.B. durch Knochenbrüche, Verletzungen der Wachstumsfugen in der Jugend, künstliche Gelenkersätze, oder Knochendeformitäten zu Stande kommen, um hier mal einige Optionen zu nennen).
  • Bei der funktionellen Beinlängendifferenz sind die Knochen gleich lang, jedoch kommt es durch Gelenkstörungen oder Verspannungen von Muskeln und Bändern zu einer veränderten Beinlänge.

Bei mir in der Praxis finde ich am Häufigsten die funktionellen Differenzen. Dies mag daran liegen, dass es durch Verspannungen oft zu einer Beckenverwringung kommt, was wiederum eine Verschiebung der Beinlänge zur Folge hat. Durch das viele Sitzen und den Stress im Alltag sind Verspannungen an der Tagesordnung. Zudem fehlt uns oft das Dehnen und die Bewegung, was das Entstehen der Veränderung nur unterstützt.

Welche langfristigen Folgen kann das für einen haben?

Bleibt eine Beinlängendifferenz unbehandelt, so bedeutet es eine deutliche Mehrbelastung für den gesamten Körper. Dies kann Überlastung von Muskeln, Sehnen und Gelenken zur Folge haben, was oft über längere Zeit zu Verschleiß führt!  Aus den anfänglich nur zeitweise auftretenden Schmerzen werden Dauerschmerzen und können ggf. sogar strukturelle Schäden wie Arthrosen oder Wirbelsäulenverkrümmungen zur Folge haben.

Wie sollte man eine Beinlängendifferenz am besten behandeln (lassen)?

Zu Beginn gilt es unbedingt herauszufinden um welche Form der Beinlängendifferenz es sich handelt, denn die beiden müssen grundsätzlich unterschiedlich behandelt werden. 

Während die anatomische Beinlängendifferenz ganz klar in die Hände der Orthopädietechniker gehört, die einen entsprechenden Längenausgleich durch Einlagen oder Schuherhöhung durchführen, so gehört die funktionelle Form in eine gute physiotherapeutische oder osteopathische Behandlung! Hier gleicht man die Spannungen im Körper aus und korrigiert somit die Stellung der Beine.

Wie können orthopädische Maßeinlagen helfen?

Wenn z.B. bei der anatomischen Längendifferenz ein klarer Unterschied zwischen rechtem und linkem Bein vorhanden ist, dann kann man durch eine spezifisch angepasste Einlage die Länge des kürzeren Beines „wiederherstellen“. Hierbei wird der „fehlende Knochen“ durch eine dickere Einlage ausgeglichen! Somit steht Körper wieder ausgeglichen, was folglich Überlastungen vermiedet.

Wie sollten Einlagen bei einer Beinlängendifferenz aussehen?

Ich habe die besten Erfolge mit Einlagen erlebt, die nach Maß auf den jeweiligen Fuß meiner Patienten angefertigt wurden. Das stabilisiert erstmal den Fuß selbst und auch die gesamte Beinachse. Zudem muss dann die Beinlänge entsprechend ausgeglichen werden (bei anatomischer Beinlängendifferenz).

Ab welcher Beinlängendifferenz sollten Einlagen getragen werden?

Das ist ein heiß umstrittenes Thema. Generell bin ich der Meinung, dass man dann eingreifen sollte sobald Beschwerden vorliegen. Ob dies jetzt bei 0,5 cm oder bei 1,0 cm der Fall ist, ist meiner Meinung nach irrelevant. Generell kann man jedoch sagen, dass Kinder ab 0,5 cm und Erwachsene in der Regel ab 1 cm Längendifferenz ausgeglichen werden sollten.

Danke Christoph, dass du dein Expertenwissen mit uns geteilt hast!

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