Was sind Lotusfüße?
28. März, 2022

Was sind Lotusfüße?

Von Irini Diamanti

Seit über einem Jahr bin ich nun bei GetSteps tätig und habe ein gewisses Know-how im Bereich der Füße. Mit nur einem Blick kann ich eine Pronation oder einen Spreizfuß erkennen. Doch eine Sache kann ich bis heute nicht vergessen – den Lotusfuß. Dieser galt bis ins 20. Jahrhundert als ein Schönheitsideal in China. Und heute komme ich – nach monatelanger Recherche dazu, dir zu verraten, was Lotusfüße sind und weshalb ich froh darüber bin, dass dieser 'Trend' nicht mehr praktiziert wird. 

Übersicht: 

Lotusblüte: Bedeutung

Was sind Lotusfüße?

Gebundene Füße Prozedur

Warum Lotusfüße?

Die Bedeutung der Lotusblüte 

lotusblüte bedeutung

Sie wächst in schlammigen Gewässern, verschließt ihre Blüten bei Dunkelheit und geht unter Wasser und öffnet diese bei den ersten Sonnenstrahlen an der Wasseroberfläche. Dabei wirkt sie stets rein. ‘Reinheit’ symbolisiert die Lotusblüte auch im Buddhismus. Dort wird sie auch unter anderem als ‘Blume des Lebens’ bezeichnet. Denn dem buddhistischen Glauben nach ist der Lotus Buddhas Geburtsort. 

So nimmt die Lotusblüte auch in der Spiritualität eine große Rolle ein: beim Lotussitz im Yoga werden die Beine so verschränkt wie die Blüten des Lotus. Dabei soll der Lotussitz bei der Meditation zur Erleuchtung und Weisheit führen.  

Nicht im religiösen, sondern auch im kulturellen Kontext nimmt die Lotusblüte eine wichtige Rolle ein: In China ist die Blüte das Zeichen einer guten Ehe. Doch was sind Lotusfüße eigentlich? Das verraten wir dir jetzt. 

Was sind Lotusfüße?

Lotusfüße waren ein Schönheitsideal in China und lassen sich auf eine Geliebte des Li Houzhu zurückführen. Li Houzhu (937-978) war der letzte Herrscher der Südlichen Tang-Dynastie. Seine Geliebte war eine Tänzerin, die für ihn auf einer goldenen Bühne performte und hatte die Form eines Lotus. Diese ließ er für sie erbauen. Um auf dieser Bühne problemlos tanzen zu kännen, wickelte sie sich Bandagen um die Füße. 

Das leichte Bandagieren der Tänzerin erinnerte an Ballettschuhe, doch Lotusfüße entwickelten sich kurze Zeit später zu einem schmerzhaften Prozess, der erst im Jahre 1949 durch Mao Zedong gesetzlich verboten und geächtet wurde. 

Lotusfüße seit der Song-Dynastie

Die Rechte der Frauen wurden in China mit dem Beginn der Song-Dynastie (960-1279) stark eingeschränkt. So begann zu jener Zeit der schmerzhafte Brauch, der bis heute als Lotusfuß bekannt ist. Bei diesem wurden die Füße von Mädchen der höheren Schicht im Alter von etwa 8 Jahren die Füße verformt. So sollen alle adligen Frauen in China bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts Lotusfüße gehabt haben. 

was sind lotusfüße

Doch dieses Schönheitsideal verbreitete sich auch in anderen Schichten schnell. Etwa 40-50 % aller Frauen Chinas hatten im 19. Jahrhundert Lotusfüße. Lediglich Frauen aus armen bäuerlichen Verhältnissen wurden verschont. Und das nur, weil sie andernfalls ihre Tätigkeiten auf dem Feld nicht ausüben konnten. Das bedeutet, dass Frauen mit Lotusfüßen nicht in der Lage waren, schwere Arbeit zu leisten. Vielmehr noch, sie konnten nicht einmal laufen. 

Gebundene Füße: Prozedur

Richtig gelesen, ein Lotusfuß hat Frauen in ihren Bewegungen eingeschränkt und zu starken Beschwerden im ganzen Körper geführt. Denn durch das Bandagieren konnten diese nicht mehr richtig auftreten und mit den Füßen abrollen: Die Körperhaltung veränderte sich und belastete die Gelenke. Das führte zu Schmerzen in den Füßen, den Knien, er Hüfte und dem Rücken sowie zu Gelenkerkrankungen.

Doch wie wurden die Füße gebunden? 

Mütter und Großmütter brachen die Füße der Mädchen im Alter von fünf bis acht Jahren. Dies wurde getan, damit die Füße nicht mehr weiterwachsen und eine Form einnehmen, die als besonders schön galt. So wurde die Zukunft der Tochter gesichtert.

Dabei war es das Ziel, dass die Füße eine maximale Länge von 10 cm erreichen (sogenannter goldener Lotus). Dies gelang jedoch den Wenigsten. Die meisten Frauen hatten 13-14 cm lange Füße.

Doch gehen wir kurz genaue auf die Prozedur ein: 

  1. Zuerst wurden die Füße in einer Flüssigkeit auf Kräutern und Alaun eingeweicht. 
  2. Danach wurden die Nägel kurz geschnitten. 
  3. Die Füße wurden massiert. 
  4. Dann wurden die alle Zehen (mit Ausnahme der Großzehe) gebrochen und unter die Füße gebogen. 
  5. Der Fuß wurde so ganz eng bandagiert und verformte sich so zu einem Klumpfuß
  6. So wurden die Mädchen gezwungen, in sogenannten Lotusschuhe (kleine Schuhe, die im vorderen Bereich spitz sind) zu laufen. 
  7. Alle zwei Tage wurden den Mädchen neue, befeuchtete Bandagen um die Füße gewickelt, welche beim Trocknen noch enger an der Haut anlagen. 
fußbinden prozedur

Bei Lotusfüßen verformte sich der Fuß und ähnelte einer Hufe. Frauen mit einem Lotusfuß passten demnach nur noch in speziell-gefertigten Lotusschuhen rein. Diese erinnern durch ihre Spitze ein wenig an Pumps, die in der heutigen Zeit von vielen gerne getragen werden. Du möchtest Bilder von Lotusfüßen sehen? Dann schau dir diesen Beitrag an.

lotusschuhe

Die Folge von Lotusfüßen waren nicht nur Schmerzen und eine fehlerhafte Belastung der Gelenke, sondern auch: 

  • Eingewachsene und entzündete Nägel 
  • Verfaulte Haut 
  • Abgestorbene Zehen

Damit die Füße auch weiterhin nicht mehr wachsen, schliefen die Frauen in der Regel mit parfümierten Bandagen (um faulige Gerüche zu vermeiden) und ihren Lotusschuhen.

Warum wurden die Füße der Frauen gebunden? 

was sind lotus füsse

Das Schönheitsideal war ein Heiratsgrund. Männer achteten bei der Wahl ihrer Gemahlin selten auf das Gesicht, sondern vielmehr auf die Füße der Frauen. Warum? Das erfährst du im Folgenden.

Ein Zeichen von Wohlstand

Durch die eingeschränkten Bewegungen konnten Frauen das Haus kaum verlassen. Falls doch, dann wurden sie von Männern und der Dienerschaft in Sänften getragen. 

Fußfetisch und Schönheitsideal

Auch das Erotische spielte eine wichtige Rolle beim Binden der Füße. So bezeichneten Dichter den Lotusfuß als den erotischten Bereich an Frauen. Und auch Männer waren von dem hilfsbedürftigen Aspekt, den die gebundenen Füße mit sich gebracht haben, angetan. Denn diese hatten so das Gefühl der Frau überlegen zu sein

Gewichtzunahmen als Folge der Bewegungseinschränkung waren auch die Normalität. Kurvige Frauen galten als schön, da diese keine schwere Arbeit tätigen mussten und somit zur höheren Gesellschaftsschicht gehörten.  

Brechen wir das Tabu rund um die Füße

Ich muss gestehen, ich bin froh darüber, dass Lotusfüße verboten wurden. Nicht nur, der Anblick ist erschreckend und kann so schnell nicht vergessen werden, sondern auch die Folgen und Qualen, die diese Frauen durchmachen mussten, sind nicht vorstellbar. Ich persönlich habe nach einem langen Sommertag leichte Schmerzen in den Füßen aufgrund meines (minimalen) Spreizfußes und der Wassereinlagerungen. Ich will mit gar nicht vorstellen, wie schmerzhaft Lotusfüße waren. 

Und dennoch schenken wir unseren Füßen auch heute noch viel zu wenig Aufmerksamkeit. Wir stecken sie in zu enge Schuhe, tragen spitze High Heels und wollen einfach nur, dass sie halbwegs gut aussehen. 

Welche Folgen das alles haben kann, sind wir uns gar nicht bewusst. Denn gesunde Füße, die richtige abrollen sorgen für einen gesunden Körper. Sie sorgen für gesunde und starke Gelenke und nachgiebigen Faszien. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir unsere Füße stärken, um Fußfehlstellungen und krummen Zehen entgegenzuwirken. 

Denn unbehandelte Fehlstellungen können zu Schmerzen in den Füßen, den Knien, der Hüfte und sogar dem Nacken führen. Mit gezielten Fuß-Übungen bei deinem nächsten Home-Workout oder deiner nächsten Yoga-Stunde kannst du Fußfehlstellungen korrigieren und präventiv gegen eine Arthrose vorgehen. Wie das geht, kannst du hier sehen.

Trage in deinen Schuhen zudem orthopädische Einlagen. Diese entlasten deine Füße und schonen deine Gelenke. Zudem gleichen sie eine Fehlstellung aus und verbessern deine Körperhaltung. So beugst du Schmerzen vor und tust etwas für dein Wohlbefinden. 

Du glaubst uns nicht? Dann überzeug dich selbst und hol dir unsere orthopädischen Schuheinlagen mit nur wenigen Klicks online. Ganz ohne Risiko – dank unserer 100 Tage Geld-zurück-Garantie. 

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