"Was ist mehr Lifestyle als ein gesundes Leben?"

Im Gespräch mit Annik und Vincent

 (Reading time: 5min)

Die gründer
Es war noch nie einfacher an orthopädische Maßeinlagen zu kommen! Annik Wolf und Vincent Hoursch haben die Lösung und bringen euch die Einlagen per Post nach Hause, ohne weiter an die Öffnungszeiten von Sanitätshäusern gebunden zu sein. Unkompliziert online bestellen, Schuhtyp und Materialwunsch auswählen, das Abdruckset nach Hause geschickt bekommen und kurze Zeit später Maßeinlagen nach höchstem Standard in den Schuhen haben – gemeinsam Schritt für Schritt in ein gesünderes Leben. 

 

Im heutigen Blogpost wollen wir die Gründer von GetSteps genauer vorstellen. Annik und Vincent lernten sich in ihrem vorherigen Job bei BCG DV kennen und sind mittlerweile gute Freunde.  Sie stellten sich gemeinsamen den Herausforderungen, die es in Deutschland teils gibt, wenn man im Bereich Healthcare gründet. Dabei ist der Wunsch der Gesellschaft nach mehr digitalen Produkten im Gesundheitswesen doch zu Zeiten von Corona so groß wie nie – wieso gibt es dennoch so viele Barrieren? Und wie kam es dazu, dass sich zwei unter 30-Jährige, einem so augenscheinlich unattraktiven Thema wie maßgefertigten Einlagen annehmen? Viele Fragen -  hier kommt das GetSteps Gründerinterview!

 

Was ist eure persönliche Geschichte zum Thema Einlagen?

Vincent: Ich trage Einlagen seit dem ich 16 bin wie auch empfohlen, sprich: Ich habe für verschiedene Schuhe den richtigen Einlagentyp und lassen diesen auch regelmäßig erneuern. Bisher hat man diese nur über Sanitätshäuser bekommen, war an eingestaubte Strukturen und job-inkompatible Öffnungszeiten gebunden. Das hat mich frustriert und ich hatte die Idee, diesen Prozess zu vereinfachen, schon lange im Kopf. Als Annik sich auf einen Marathon vorbereitete und dabei extreme Knieschmerzen bekam, empfahl ich ihr Einlagen. Viele Sportler, vor allem Profis, tragen Einlagen als Grundausstattung. Auch sie wurde Fan des Produktes und so entschieden wir uns gemeinsam das Potenzial von Einlagen erkenntlich zu machen.

 

Was für ein Potenzial seht ihr denn in Einlegesohlen? Und wie kann man Einlagen zu einem sexy Lifestyle-Produkt machen? 

Annik: Wir haben festgestellt, dass viele Leute gar nicht richtig über Einlagen Bescheid wissen und wenn man welche haben will, der Beschaffungsprozess super nervig ist.. Die Vision von GetSteps ist es, Menschen ein gesünderes und glücklicheres Leben zu ermöglichen. Jeder Fuß ist unterschiedlich und doch tragen die meisten von uns Standard Schuhwerk, das nicht auf die individuellen Bedürfnisse der Füße angepasst ist. Mit GetSteps ändern wir das: wir bieten unseren Kunden individuell angepassten Schuheinlagen – und das Ganze so einfach wie noch nie und zu einem bezahlbaren Preis. So wird quasi jeder Schuh zum maßgefertigten Schuh. Unsere Motivation war vor diesem Grundgedanken so enorm, dass wir darauf verzichten konnten, den Preis für das Most-Sexy-Produkt abzusahnen. 

Vincent: Zu einem Lifestyle-Produkt zählen wir uns trotzdem, unser modernes Design und Auftreten machen es möglich. Außerdem: Was ist mehr Lifestyle als ein gesundes Leben? 

 

... verstehe. Die Idee ist also aus Überzeugung geboren. Wann war der Moment, als ihr gesagt habt: Wir machen das jetzt!

Vincent: Wir haben jede freie Sekunde neben unseren Jobs genutzt, die Idee zu überprüfen; recherchiert, mit vielen unterschiedlichen Menschen in unserem beruflichen Umfeld gesprochen und viel durchgerechnet. Nach einigen Monaten waren wir an dem Punkt der Entscheidung: Machen wir das jetzt wirklich, oder nicht? Man braucht definitiv Mut und muss bereit sein, Einschränkungen zu akzeptieren, z.B. beim Gehalt. Wir haben uns aber gegenseitig motiviert: Der Antrieb und die Begeisterung des Anderen geben einem immer wieder Sicherheit.

Annik: Das stimmt, zu zweit ist es einfacher und wenn bei einer Person Zweifel aufkommen, gibt es immer ein Back-up. Wie eben schon erzählt, haben wir auch super schnell angefangen die ersten Einlagen zu verkaufen. So schnell wie möglich eine Nachfrage beobachten zu können gibt extremes Selbstvertrauen.

 

Wie kamt ihr dann an die ersten Prototypen? Wie funktioniert der Prozess und wie lange dauert es, dann wirklich das fertige Produkt zu haben?

Vincent: Wir haben am ersten Tag unserer Selbstständigkeit direkt eine Website gebaut – natürlich nicht ausgearbeitet und ohne direkte Kaufoption, aber es bringt total viel, seine Gedanken direkt zu Papier zu bringen. Den Prototypen der Website haben wir dann genutzt, um die Grundidee mit Freund*innen und Expert*innen zu testen. Zudem hilft es, potenziellen Produzenten schon etwas zeigen zu können. So hat sich auch ziemlich schnell ein Partner gefunden, der zu Anfang Einlagen in unserem Namen gefertigt hat, wodurch wir erstmal keine Maschinen kaufen mussten und von Zuhause aus arbeiten konnten. Die Website wurde dann nach und nach professioneller hochgezogen. Im Nachhinein ist es natürlich immer abenteuerlich zu sehen, wie man angefangen hat – wie die Website zu Beginn aufgebaut war oder die ersten Abdrucksets aussahen. Viel war improvisiert, ein richtiger MVP eben – aber so haben wir eine ziemlich solide Basis geschaffen, auf der wir step by step aufbauen können.

 

Stellen wir uns vor Gesundheitsminister Spahn würde euch zu einem Gespräch einladen. Was würdet ihr ihm sagen wollen?

Vincent: Wir würden ihn bitten, weiter daran zu arbeiten Barrieren für Start-ups im deutschen Gesundheitssystem aus dem Weg zu räumen – die Möglichkeiten dazu hat er. Generell nehmen wir Herrn Spahn als digital orientiert und modern wahr, weshalb es für uns an manchen Stellen noch schwer zu verstehen ist, wieso es noch so viele Hürden für Start-ups in unserem Sektor gibt. Im europäischen Vergleich sind wir in der Vergangenheit recht zurückhaltend in der Digitalisierung des Gesundheitswesens gewesen, da gilt es aufzuholen. Spätestens die Corona-Krise hat den Bedarf an digitalen Lösungen im Gesundheitssystem gezeigt – und die Gesellschaft ist interessierter denn je daran, Leistungen digital zu nutzen, solange das gleiche medizinische Niveau gewährleistet werden kann. 

 

Ihr habt geschafft, wovon viele potenzielle zukünftige Gründer noch träumen: Ihr habt den Mut gehabt ein eigenes Unternehmen zu gründen und das erste harte Jahr überlebt. Welche Tipps gebt ihr anderen Gründern mit auf den Weg? 

Annik: Für den Beginn gilt das Motto „Test & Learn”: Versucht so früh wie möglich, mit echten Kunden die Idee zu testen. Das beste Feedback bekommt man, wenn es wirklich darum geht, dass Leute sich committen und bezahlen müssen. Danach folgt ganz schnell das Thema Angestellte – geht es frühzeitig an, denn die richtigen Leute zu finden, dauert immer länger als geplant. Und zu guter Letzt: fokussiert euch. Egal ob es das Produkt, Fundraising oder Partnerschaften angeht: Versucht den Fokus auf den im Moment wichtigen Themen zu behalten. Es gibt so viele Dinge, die gleichzeitig angegangen werden können und relevant erscheinen. Aber man kann nicht alles parallel machen. Fokussieren, konzentriert umsetzen und dann das nächste Thema angehen ist wirklich der Schlüssel zum Erfolg.