Interview zu Ursachen & Behandlung von Fußfehlstellungen
07. Januar, 2021

Interview zu Ursachen & Behandlung von Fußfehlstellungen

Von Caroline Delcker

Plattfuß, Hallux Valgus, Fersensporn: Was kann man dagegen tun? Orthopädin Dr. med. Anette Lorani geht hier auf diese Fragen ein. 

Frau Dr. med. Anette Lorani arbeitet als Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie in einer orthopädischen Praxis in München. Als Sportmedizinerin ist sie selbst leidenschaftliche Läuferin und behandelt laufbegeisterte Patienten, wenn es dann doch mal zu Verletzungen, Schmerzen oder Beschwerden gekommen ist.

Anette Lorani Orthopädin

Woher weiß ich, dass ich eine Fußfehlstellung habe?

Gibt es überhaupt die „normale Fußform“ ?! Jeder kommt mit seiner „eigenen Fußform“ auf die Welt, und sogar die Zehenlänge (mal ist die 2. Zehe die längste, mal die Großzehe) kann variieren. Die Diagnose einer Fußfehlstellung gehört grundsätzlich in die Hand des Orthopäden.

Manchmal bemerken Betroffene selbst, dass die Füße oder die Zehen an bestimmten Stellen eine vermehrte Verhornung/ Beschwielung aufweisen, dass die Schuhe ungleich an den Sohlen abgelaufen werden, oder es bestehen Probleme beim Schuhkauf, weil der Vorfuß zu breit ist, oder es immer wieder zu Druckstellen vom Schuh kommt. Teilweise kann ein „auffälliges Gangbild“ von Mitmenschen beobachtet werden.

Welche Fußfehlstellungen gibt es? Was sind hierbei die Unterschiede?

Es gibt verschiedene Fußformen, wie den Spreizfuß und Plattfuß, sowie „fließende Übergänge“ zum Knicksenkfuß- oder Knicksenkspreizfuß, ferner den sogenannten Hohlfuß, der im Gegensatz zum Plattfuß ein erhöhtes Längsgewölbe aufweist.

Zu unterscheiden sind aktiv korrigierbare von fixierten Fußfehlstellungen. So kann im ersten Fall ein bestehender Knicksenkfuß im Stand bei Durchführung des hohen Zehenspitzenstandes zu einer Normalisierung der Längsgewölbeabflachung führen, wohingegen beim fixierten Knicksenkfuß keine Aufrichtung des Längsgewölbes erfolgt. 

Die Fußstellung ist auch abhängig von der Beinachse. Beim sogenannten X-Bein („die Knie zeigen nach innen“) steht der Fuß als Kompensation zumeist in der Knickfußstellung. Beim O-Bein („die Knie sind nach außen gebogen“) hingegen findet eine vermehrte Fußaußenrandbelastung statt. 

Ferner gibt es seltene angeborene Veränderungen der Füße, wie beispielsweise der Klumpfuß oder der Sichelfuß, die bereits im Säuglingsalter mit speziellen Gipsen und zumeist auch operativ behandelt werden müssen. Ebenso kann die angeborene Verschmelzung von Fußwurzelknochen („Coalitio“) dazu führen, dass sich eine Fußfehlstellung im Laufe des Wachstums entwickelt.

Auch Zehenfehlstellungen wie der Hallux valgus („Schiefstellung der Großzehe“), Hammerzehen („Beugung der Zehe im Endgelenk“), Krallenzehen „Beugung der Zehe im Grund- und Endgelenk“) oder der Schneiderballen („Außendrehung der Kleinzehe mit Verkürzung“) gehören zu den Fußfehlstellungen.

Sind diese immer mit Schmerzen verbunden?

Trotz Vorhandensein einer Fußfehlform muss diese nicht unbedingt zu Schmerzen führen. Diese treten meist erst bei Überlastung oder nach intensiver Belastung auf, und dann auch nicht unbedingt im Fuß selbst, sondern häufig im Knie, Hüft- oder Wirbelsäulenbereich. Hier ist dann eine orthopädische Abklärung und Einlagenversorgung unumgänglich, um weitere Folgeschäden zu verhindern.

Schmerzen können auch durch zu enges und zu kleines Schuhwerk beim Vorliegen von Zehenfehlstellung führen (z. B. beim Hallux valgus mit sehr breitem Vorfuß). 

Beim Hohlfuß (erhöhtes Längsgewölbe) kommt es nach langer Belastung oftmals zu Schmerzen an der Fußsohle, im Bereich der dicken Fußsohlensehne („Plantarfascie“).


Werden die Fußfehlstellungen durch Nichtbehandlung schlimmer?

Bis auf die angeborenen Fußfehlstellungen mit Behandlung unmittelbar nach der Geburt sind die übrigen Formen „genetisch bedingt“/ “vererbt“. Durch zusätzliche Faktoren wie beispielsweise Übergewicht, X-Beine, O-Beine, zu enges/ zu kleines Schuhwerk (die Füße werden mit den Jahren größer, breiter und länger, bei Frauen oft auch nach der Schwangerschaft), ungünstige Schuhformen „high heels“ mit Quetschung des Vorfußes, kann sich die Fußform als Folge dann im Laufe des Lebens verändern.

Wie helfen Einlagen?

Einlagen unterstützen den Fuß und bewirken hierdurch einen Korrektureffekt bei Fußfehlstellungen. Zusätzlich haben Einlagen eine dämpfende Funktion, so dass das Gefühl des „Gehens wie auf weichem Waldboden“ entsteht, welches besonders die Fuß- Knie- und Hüftgelenke aber auch die Wirbelsäule entlastet.

Beim Vorhandensein einer Beinlängendifferenz, kann diese mittels entsprechender Erhöhung am betroffenen Bein gut korrigiert werden.

Bei Beinachsenfehlstellungen (X- und O-Bein) kann durch das Anbringen einer entsprechenden Außen- oder Innenranderhöhung eine leichte Korrektur mit Entlastung der Fehlstellung erreicht werden. 

Schmerzhafte Regionen der Fußsohle im Vorfußbereich beim „Spreizfuß“ können durch Pelotten („kleiner elastischer Buckel“) entlastet und das fehlende Quergewölbe aufgebaut/ unterstützt werden. 

Beim „Fersensporn“ (Verknöcherung des Ansatzes der Fußsohlensehne) oder bei Reizungen der Fußsohlensehne „Plantarfascie“ oder der „Sesambeine“ unter dem Großzehenballen können Einlagen eine Weichbettung mit Druckentlastung bewirken. 

Was sind deine persönlichen Erfahrungen mit Einlagen?

Da ich aufgrund einer Verletzung mit Operationen im Jugendalter eine einseitige Beinverkürzung mit zusätzlicher X-Beinfehlstellung, Kniearthrose und Knick-Senkfuß habe, verspüre ich oft nach längerer Belastung Beschwerden im Rücken, dem Knie- und Fußgelenk. Meine GetSteps Einlagen korrigieren die Beinverkürzung und X-Beinfehlstellung und es fällt mir damit leichter, meine Bein- und Fußmuskulatur zu aktivieren. Zusätzlich habe ich durch die Einlagen eine bessere Dämpfung, was gut für die Kniearthrose ist. 


Anette, vielen Dank für die Experten-Infos!

Wir empfehlen GetSteps Einlagen als Teil einer ganzheitlichen Behandlung. Bei Beschwerden aufgrund akuter Verletzungen oder langjährigen Problemen, empfehlen wir eine ärztliche Fachkraft, wie Frau Dr. med. Anette Lorani, aufzusuchen. Zusätzlich ist es lohnenswert, ergonomisches Schuhwerk zu tragen, in denen deine Füße bequem Platz haben und ergänzend die Fußmuskulatur gezielt zu trainieren. 

 

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